
NEWSPAPER
"Wir strebten ein eigenes Studio schon langer an, nur fehlten uns lange Zeit die Mittel zur Realisation", verschwendet man zur Zeit kaum noch Gedanken an den Longplayer. Gemeinsam mit Andreas Sippel (Second Decay) erstand das Duo in ihrer Heimatstadt Witten ein geräumiges, professionelles Studio, "Diese Chance bekommen wir in unseren, nachsten zwei Leben nicht mehr", schwârmt man von den neuen heiligen Hallen, nach- dem man erst letztes Jahr fehlendes Equipment aufstockte, um "XTC Implant" Zuhause aufzunehmen. Bis dahin sorgte man für den Feinschliff im T.G.I.F.-Studio von Sevren Ni-Arb (X Marks The Pedwalk). "Eine Platte abzumischen hat nicht viel mit Kreativität zu tun. Von daher hat uns Sevren kein Stück beeinflusst, obwohl wir immer sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit waren. " Mit Stücken wie "Dear God" oder "Make Up" sorgen Evils Toy seit ihrem ersten Album "Human Refuse" (1993) immer wieder für frischen Wind in der Electronic-Wave-Szenerie. Den grössten Erfolg brachte ihnen aber erst "XTC Implant" und gerade die Vorab Single "Organics" ein. "Heute würden wir viele Sachen anders machen", steht man den Anfangen skeptisch gegenüber. "Als wir anfingen, wollten wir uns einen Namen schaffen und kopierten was uns misslang Skinny Puppy und Front 242. Bei der zweiten CD Morbid Mind dachten wir, wir müssen böse klingen. Das ging auch daneben. Bei XTC Implant haben wir einfach das gemacht, worauf wir Lust hatten. |
Wir haben heute eine ganz andere Herangehensweise an die Musik. Mittlerweile verstehen wir mit den Maschinen umzugehen und wirklich eigene Sounds zu programmieren, obwohl wir immer wieder Werksounds verwenden. Sehr wichtig ist für uns die richtige, sehr präzise Soundauswahl. "Gerade da stellt "XTC Implant" einen grossen Schritt nach vorne dar. Wie ein roter Faden zieht sich ein eigenstandiges, komplexes wie ho- mogenes Bild durch den Longplayer. "Wir haben unsere Lieblingssounds, auf die wir ôfters zurückgreifen. Rock-Musik klingt im Grunde immer gleich und da stort sich auch kei- ner dran." Flexibilitat und Spontanitat sind neben treibenden Rhythmen weiterhin Trumpf für Thorsten Brenda (Ges., Keyb.) und Volker Lutz (Prgr., Keyb.). Einen totalen Richtungswechsel schlie8t Volker für die nahere Zukunft aus. "Evils Toy konnten nie mit Remixen im Stil von The Prodigy herauskom- men. Zur Zeit stehe ich unheimlich auf Gitarren, aber das kann sich bis zum nachsten Album wieder andern. In erster Linie mache ich Musik für mich, wenn das anderen Leuten gefállt, ist das okay. " Mit der Resonanz auf "Organics" rechnete man selbst nicht und ist stolz auf die hohe Plazierung in den Deutschen Alternative Charts in Nachbarschaft mit Gruppen wie den Smashing Pumpkins und Babylon Zoo. |
Musik." Hatte man heute die Chance, würden sich Evils Toy einen anderen Namen zulegen. "Wir haben uns damals die Szene anders vorgestellt, boser und blutiger", grinst Volker. "Heute würden wir uns für einen friedvolleren, tech- nischeren Namen entscheiden. "Mit der Zeit ánderten sich ebenso die Inhalte, mit denen sich Evils Toy beschäftigen. "Wir schreiben heute Texte über Themen, die uns bewegen, wobei man auch durch die Musik erkennen soll, was wir ausdrücken mochten. XTC Implant hat nicht wie oft vermutet mit der Droge Ecstasy zu tun. Es geht um die reine Ekstase. Alles mu8 immer schneller und ekstati- scher zugehen, aber irgendwann geht das nicht mehr. Über den Punkt sollte jeder mal nachdenken. Der Mensch ist nur für bestimmte Sachen konzepiert." Bislang hatten Evils Toy nicht viel mit Remixen am Hut. Daran ánderte sich nichts, doch ist mit dem eigenen Studio im Rücken für den Som- mer ein Album als "Up-Date" mit ihren bekanntesten Krachern und ei- genen Remixen sowie Bearbeitungen von Gruppen wie Numb, Calva Y Nada, Digital Factor und Steril geplant, obwohl das "alles noch nicht spruchreif" ist. Im September soll dann das reguláre, nàchste Studio- Album erscheinen. Bis dahin kümmern sich Evils Toy zudem verstarkt um Fremdproduktionen wie die gerade veroffentlichte Debüt-Maxi von Re-Act. Sven Freuen
|